Köln Marathon Erfahrungsbericht
Alle guten Dinge sind drei, denkt man. Mit der bisher besten Vorbereitung im Rücken bin ich am Freitag, zwei Tage vor dem Lauf angereist. Diesmal habe ich mich an den 2:44:59 Trainingsplan von Herbert Steffny herangewagt. Mir war von Anfang an klar, dass diese Zeit nicht realistisch war. Jedoch wollte ich bei meinem zweiten “unter drei Stunden” Versuch auf Nummer sicher gehen. Hierzu werde ich am Ende nochmals etwas sagen.
Neben einer guten Trainingsvorbereitung gehört eine gute organisatorische zur Marathon Vorbereitung dazu. Dies beinhaltet beispielsweise alle wichtigen Utensilien auch vor Ort zur Verfügung zu haben. In Zukunft werde ich dies mit Sicherheit beherzigen. War es beim Rom Marathon noch das Hotel, das den Stressfaktor bereitet hat, so war es diesmal, die in St. Gallen gebliebene Pulsuhr von Garmin (Forerunner 301). Wer seine gesamte Vorbereitung mit einer Pulsuhr bestreitet und diese dann am Wettkampftag nicht zur Verfügung stehen hat, kann vielleicht in etwa nachvollziehen, welchen Dämpfer mir dies versetzt hat.
Bereits kurz nach meiner Ankunft bei meinen Eltern (diese wohnen in der Nähe von Köln), fing also der Stress wie gewohnt an. Der Samstag wurde nicht besser. Nachdem ich noch abends mir von meinem Bruder (dieser bestritt in Köln seinen ersten Marathon) habe versichern lassen, dass ich die Pulsuhr von meinem Neffen bekommen könnte, erfuhr ich dann später am Nachmittag, das er die Pulsuhr nicht mehr finden konnte.
Es begann die Suche nach einem Gerät. Nach etlichen Telefonaten und zwei Pulsuhren mit leeren Batterien, fand sich dann doch ein funktionsfähiges Gerät (danke an Marcel nochmal an dieser Stelle). Danach dauerte es auch nur noch drei Stunden bis ich verstanden hatte, wie das Gerät den Puls misst und die Stoppuhr funktioniert.
Nicht dass ich zu dämlich bin zu wissen wie man eine Pulsuhr bedient, leider ist mir zu spät aufgefallen, dass ein Knopf nicht richtig funktionierte – leider wie man sieht relativ spät. Nichtsdesotrotz war das Problem um neun Uhr abends gelöst und ich konnte noch etwas beim Fernsehen entspannen. Sonntag dann ging alles recht problemlos.
Meine Eltern und meine Freundin begleiteten mich. Wir nahmen die Strassenbahn, die uns in ca. 20 Minuten nach Köln Deutz – zum Start – brachte. Dort traffen wir auch meinen älteren Bruder, der wie vorher gesagt seinen ersten Marathon und zudem noch an seinem Geburtstag bestritt. Ich möchte an dieser Stelle bereits vorgreifen. Mein Bruder hat seinen ersten Lauf in einer grandiosen Zeit von unter 3:46 bestritten. Gratulation nochmal an dieser Stelle zu dieser fabelhaften Leistung. Nun weiter zu meinem Bericht.
Kurz vor Start ging es in die mir zugeteilte rote Zone. Wir konnten noch den Einlauf der Inlinskater erleben, die auf einer Parallelstrasse den Schlusssprint absolvierten. Leider führte dies auch dazu, dass der Start sich um 10 Minuten verschob. Dies tat der Stimmung keinen Abbruch. Kölsche Karnevalslieder liefen, die Läufer waren alle gut drauf und konnten genau wie ich den Start kaum noch erwarten. Dann endlich 10, 9, 8 …. 3, 2, 1, Startschuss! Leider führte die Verzögerung bei mir wieder zu dem alten Rom Problem, was mich bei der ersten Gelegenheit zu einem kurzen Boxenstopp veranlasste. Danach waren die Bedingungen perfekt.
Ich überholte lange Zeit eine Vielzahl an Läufern. Ich konnte meinen Puls auf dem optimalen Niveau von 162 Schlägen pro Minute halten. Als sich das Feld lichtete ging der Puls im Schnitt 1-2 Schläge hoch. Ich beschloss nicht langsamer zu laufen, da ich mich sehr gut fühlte – klassicher Anfängerfehler beim dritten Marathon! Nachdem der Rom Marathon bis Kilometer 35 genial verlief war ich diesmal zu unvorsichtig. Später dann schloss sich ein Marathonneuling mir an und lief die ganze Zeit hinter mir her.
Dies schien mich wahrscheinlich auch unbewusst zu motivieren schneller zu laufen als ich sollte. Im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass dieser “Neuling” sehr viel besser drauf war als ich und ich ihn alleine davon ziehen lassen musste. Die Hälfte der Strecke bestritten wir zusammen. Die Durchgangszeit lag bei 1:27 – viel zu schnell wenn man bedenkt, dass meine Halbmarathonzeit bei 1:25 liegt. Dies wurde mir auch immer mehr bewusst. Nach dem Bewusstsein, kam etwa bei Kilomter 23 auch der physische Einbruch. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich unter den ersten 50 Läufern (zumindest wenn man den Ansagen auf der Strecke glauben mag). Alles deutete auf leere Glykogenspeicher hin. Den Puls um die 160 zu halten fiel mir immer schwerer. Langsam wurde mir bewusst, dass dies mein schwerstes Rennen werden sollte. Die Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Konnten anfangs noch meine Freunde und Verwandten auf der Strecke mich immer wieder antreiben, so wurde jetzt der Wunsch der Aufgabe immer grösser. Wie noch nie verspürte ich den Wunsch einfach nur gehen. Lange Passagen lief man wie bei den Anstiegen bei der Tour de France weniger als einen Meter links und recht zwischen den Zuschauermengen hindurch. Hier konnte ich unmöglich stehenbleiben – die Menge trieb mich an und schrie meinen Namen (jeder Läufer hatte neben seiner Startnummer auch seinen Vornamen auf dem Zettel). Zum Glück waren diese Abschnitte sehr lang. Die Stimmung war super.
Die Zuschauer waren alle super drauf. Das Wetter passte auch noch. Leider passte dies nicht mit meiner körperlichen Verfassung zusammen. Die Zuschauerpassage ging zu Ende. “Jetzt ein paar Meter gehen”. Um die Kurve sah ich auch schon die Frau von meinem Bruder mit den Kindern. Ich durfte auf keinen Fall gehen, wenn ich in Köln ins Ziel kommen wollte. Mein Geist trieb meinen Körper weiter an. Bis Kilometer 39 war es eine einzige Qual.
Es kam mir so vor als würde ich nur noch dahinschleichen. Zudem hatte ich meine Pulsuhr nicht dabei, die mir die aktuelle Laufgeschwindigkeit hätte anzeigen können. Kilometer 40 kam und die Strecke ging in Richtung Deutzer Brücke. Es war nun nicht mehr weit. Dann der Kölner Dom – die Zuschauer feuerten mich an. Ich wusste jetzt ich schaffe es. Die letzten Meter- ich sehe das Ziel, die Zuschauer jubeln – und endlich angekommen.
Die ersten Schritte im Ziel werde ich von einem Kumpel empfangen, der sich trotz duchzechter Nacht es sich hat nehmen lassen mich in Köln nach längerer Zeit zu treffen. Super Empfang – danke nochmal. Die Zeit: 3:05:38 (Platz 285). Drei Stunden nicht gekanckt. Dies war trotz enormer Vorbereitung zweitrangig. Jeder Marathon ist eine enorme Herausforderung und ich hatte nun auch den Dritten erfolgreich bestritten. Beim vierten Mal im Frühjahr 2007 – ich weiss noch nicht wo dies sein wird – kommt der dritte 2:59:59 Versuch. Mal schauen, wie es dort läuft …
Noch ein letztes Wort zu meinem eingangs erwähnten Trainingsplan. Mutet Euch nicht zuviel zu. Ich habe den Fehler gemacht, zu schnell zu viel zu wollen. Dies konnte nicht gutgehen. Steigert das Pensum in vernünftigen Massen und trainiert dementsprechend. Ich werde bei der nächsten Vorbereitung wieder auf den 3 Stunden Trainingsplan zurückgreifen.






