Die schnellsten Marathonläufer
In der Liste der schnellsten 200 Männer der Marathongeschichte befinden sich eine Vielzahl von Läufern, die den Lauf noch nicht mal als Sieger beenden konnten. Besonders bitter wird dies für Sammy Korir sein, der mit einer unglaublich schnellen Zeit von 2:04:56 Stunden nur einen zweiten Platz beim Berlin Marathon 2003 erreichen konnte.
Dabei betrug sein Rückstand auf den Erstplatzierten Paul Tergat gerade mal eine Sekunde. Das Rennen vom 28. September 2003 in Berlin kann als einer der schnellsten Marathons der Geschichte betrachtet werden. Alleine drei Läufer aus diesem einen Rennen befinden sich unter den 10 schnellsten Marathonathleten der Welt.
Den wahrscheinlich erstaunlichsten Weltrekord davon hält wahrscheinlich der Ethiopier Abebe Bikila, der bei zwei aufeinander folgenden olympischen Spielen jeweils Bestzeiten laufen konnte. Dabei lief er seinen ersten Weltrekord 1960 barfuss. Erst 1964 entschloss er sich dazu den Marathon mit Turnschuhen zu absolvieren.
Die ersten Läuferinnen
Ca. 100 Jahre mussten die Frauen darauf warten offiziell an einem Marathon teilnehmen zu dürfen. Das “starke Geschlecht” war lange Zeit der Ansicht, dass die Anstrengung des Laufes einer Frau nicht zugemutet werden sollte. Dabei liefen schon in der Vorbereitung auf die ersten Olympischen Spiele in Athen zwei Frauen die besagte Strecke von Marathon nach Athen. Sie wurden jedoch später zum offiziellen olympischen Rennen nicht zugelassen.
Die Griechin Stamathia Rovithi benötigte etwas über fünf Stunden, ihre Landsfrau Melpomene konnte die Strecke sogar in eine halbe Stunde schneller, in nur viereinhalb Stunden zurückgelegen. Die Funktionäre kümmerte das wenig. Sie waren nach wie vor davon überzeugt, dass ein Marathon zu anstrengend für Frauen sei. Diese Ansicht wurde zumindest in olympischen Kreisen noch fast 100 Jahre vertreten. Dass die Frauen am Marathon teilnehmen dürfen ist Kathy Switzer zu verdanken.
Die damals 20 jährige Amerikanerin hatte 1967 das Startverbot umgangen, in dem sie sich nur mit ihren Initialen als K.V. Switzer für den Boston-Marathon angemeldet hatte. Während des Rennens wurde der Schwindel von einem der Offiziellen entdeckt. Dieser versuchte daraufhin, Switzer von der Straße zu drängen. Die Bilder dieser grotesken Geschichte gingen um die Welt.
Die anschließenden Proteste führten wenige Jahre später dazu, dass auch Frauen ganz offiziell am Marathon teilnehmen durften. 1972 starteten die ersten Läuferinnen beim Boston City Marathon. Als erste Marathon-Olympiasiegerin durfte sich die US-Amerikanerin Joan Benoit 1984 in Los Angeles in die Geschichtsbücher eintragen lassen. Ihre Zeit betrug respektable 2:24:52 Stunden.
Der Lauf des Dorando Pietri
Ein Läufer namens Dorando Pietri ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Marathon heute über eine Distanz von 42.195 Kilometern ausgetragen wird. Zugetragen hat sich alles beim olympischen Marathonlauf 1908 in London. Aufgrund eines dramatischen Rennens ist die damals noch junge Disziplin in die Annalen der Sportgeschichte eingegangen:
Nur 355 Meter trennten Pietri noch vom Ziel, als er nach zwei Stunden und 45 Minuten ins Wembley Stadion einlief. Noch eine Runde hatte der Italiener zu laufen. Mit letzten Kräften hatte er sich ins Stadion gebracht. Das Ziel kurz vor Augen haltend, halfen ihm nicht weiter. Er brach zusammen und versuchte immer wieder sich aufzurappeln. Ganze 5 Mal stand er auf und sank zu Boden. Kurz vor der Ziellinie konnten zwei britische Helfer das Elend nicht mehr ansehen und stützten den völlig entkräfteten Pietri ins Ziel. Sage und schreibe 9:46 Minuten benötigte der Italiener für die letzte Runde. Diese unerlaubte Hilfeleistung führte schliesslich zu seiner Disqualifikation und verhalf dem 22-jährigen Amerikaner John Hayes zum Sieger, der als Zweiter die Ziellinie erreichte.
Das tragische Ende des Laufes hätte nicht dramtischer inszeniert werden können. Amerikanische Sportvermarkter, von dem Sportereignis inspiriert, veranstalteten in der Folgezeit einige Revancheläufe zwischen Hayes und Pietri. Um den Zweikampf bestmöglich zu inszenieren wählte man natürlich exakt die gleiche Streckenlänge haben. Die nachgestellten Olympiaduelle zwischen Pietri und Hayes lösten einen wahren “Marathon-Wahn” in den USA aus. Daher setzten sich die 42,195 Kilometer allmählich als die Marathondistanz durch, die schließlich vom Internationalen Leichtathletikverband 1921 offiziell fest geschrieben wurde.
Erstmals 42.195 Meter
Die heute gültige Marathondistanz hat sich erst im Laufe der Jahre sozusagen per Zufall etabliert. Aufgrund der Legende des ca. 40 Kilometer Laufes des Soldaten Pheidippides lief der erste Marathonsieger der Geschichte dementsprechend noch eine kürzere Distanz. Bis 1921 gab es keine einheitliche Streckenlänge und alle Läufe, die um die 40 Kilometer lang waren, galten als Marathon.
Die Strecke variierte je nach den örtlichen Gegebenheiten. Sogar bei den olympischen Spielen wurde kein einheitliches Streckenmaß festgelegt. So lief man im Jahre 1900, bei den Spielen in Paris 40.2 Kilometer. Bei den Olympischen Spielen 1908 in London wurde erstmals die heute gültige Streckenlänge gelaufen. Die Strecke vom Schloss Windsor bis zur königlichen Loge im Wembley Stadion betrug exakt 42,195 Kilometer. Wesentlichen Einfluss für die heute gültige Streckenlänge hatte Dorando Pietri, der in seinem dramatischen Lauf aufgrund unerlaubter Hilfe am Ziel als Schnellster Läufer disqualifiziert wurde.
Es bedurfte jedoch noch weitere 13 Jahre, bis 1921 vom Internationalen Leichtathletikverband die heutige Marathondistanz endgültig festgelegt wurde. Erstmals seit den olympischen Spielen von Paris 1924 wird auch der olympische Marathonlauf über diese Entfernung ausgetragen.
Der erste Citymarathon in Boston
Wegen dem dramatischen Verlauf des ersten offiziellen Laufs in Griechenland wurde der Marathon fester Bestandteil der olympischen Spiele. Funktionäre der Boston Athletic Association (BAA), die Athleten bei den olympischen Spielen in Griechenland betreut hatten, brachten den Marathon nach Boston. Bereits auf der Schiffrückfahrt von Griechenland in die Vereinigten Staaten begann die Organisation des ersten Citymarathons.
Am 19. April 1897 fand schliesslich der erste Boston Marathon über eine Distanz von 39,2 Kilometern statt. Das traditionsreiche Rennen kann somit als Vorläufer aller Städtemarathons betrachtet werden, die heute weltweit veranstaltet werden. Der Verlauf der 39,52 Kilometer langen Strecke von Metcalfe’s Mill in Ashland (Massachchsets) nach Boston’s Irvington in St. Oval ähnelte sehr stark dem Athener Streckenprofil, obwohl sie rund 250 Meter kürzer war.
Von fünfzehn gestarteten Läufern kamen acht ins Ziel. Sieger mit einer Zeit von 2 Stunden, 55 Minuten 10 Sekunden wurde John J. McDermott. 1924 wurde die Strecke nach den Vorgaben des Internationalen Leichtathletikverband auf die heutige Marathondistanz von 42,195 Kilometer angepasst. Jedoch entdeckte man einige Jahre später, dass die Strecke von dieser Entfernung um 160 Meter abwich. Somit können erst die Aufzeichnungsdaten von 1927 die gesamte Distanz widerspiegeln.






