Der erste offizielle Marathonlauf

Über die Hälfte der Strecke führten die vier ausländischen Läufer, mit dem Franzosen Lermusiaux an der Spitze das Rennen an. Doch dananch kam die von den Zuschauern erwartete Wende. Blake aus den Vereinigten Staaten schied aus, der ungarische Läufer Kellner wurde von dem griechischen Läufer Charilaos Vasilakos überholt.

Der bis dahin Führende Lermusiaux kollabierte kurz vor Kilometer 32. An diesem Punkt hatte Flack aus Australien eine komfortable Führung herausgelaufen können. Der griecische Schäfer Spiridon Louis, hatte in der Zwischenzeit Kellner überholen können und nahm den zweiten Platz ein. Ein Radfahrer hatte die Szene beobachtet und fuhr ins Stadion vor, um der Menge mitzuteilen, dass Flack der scheinbar sichere Sieger sein würde.

Flack war noch nie zuvor annähernd 40 Kilometer gelaufen und begann schwächer zu laufen. So gelangte der Traum einer griechischen Goldmedaille beim ersten Marathon in greifbare Nähe. Bei Kilometer 34 schliesslich gelang es Louis den letzten vor ihm liegenden Läufer Flack zu erreichen. Er konnte ihn schliesslich überholen. Vier Kilometer später war Flack mit seinen Kräften am Ende und brach zusammen. Er musste von den Helfern von der Strecke getragen werden. Die zweite Hälfte des Rennens hatte eine komplette Wende gebracht.

Nun führten drei griechische Läufer, mit Louis an der Spitze, das verbliebene Feld an. Nun brachte ein zweiter Bote, der auf einem Pferd unterwegs war die Nachricht ins Stadion direkt zur königlichen Abteil. Die Nachricht verbreitete sich rasch unter den Zuschauern im Stadion und die Zuschauer begannen ihre siegreichen Landsmänner zu feiern. Als Louis in Athen ankam, hatte er mehr mit der Begeisterung der ihn begrüssenden Menge, als mit seiner Erschöpfung zu kämpfen.

Schliesslich gelang es ihm sich in das antike, frisch renovierte Panathenaic Stadium durchzukämpfen, wo ihn eine ekstatische Menge bereits mit Spannung erwartete. Er wurde sofort vom Kronprinzen Nicholas und Prinz Georgius? (george)in Empfang genommen. Sie überquerten zusammen die Ziellinie. “Die Begeisterung der Menge an der Ziellinie war unbeschreiblich”, schrieb der griechische Historiker Quercetani.

Zu seinen ersten Gratulanten zählte der griechische König. Seine Zeit betrug 2 Stunden, 58 Minuten und 50 Sekunden für die 40 Kilometer Distanz. Dies entspricht einer Durchschnittzeit von xxx pro Kilometer. Charilaos Vasilakos wurde mit mehr als 7 Minuten Rückstand zweiter. Ihm folgten Belokas und Kellner. Später kam heraus, dass Belokas einen Teil der Strecke in einem Karren absolviert hatte. Nach seiner Qualifikation rückte Kellner auf den dritten Platz vor. Am Ende kamen 9 Läufer ins Ziel von denen 8 Griechen waren. Das Gastgeberland befand sich in Ekstase und der Marathon wart geboren.

Teilnehmer des ersten Marathons

Aufgrund der historischen Bedeutung fanden bereits inoffiziell zwei Rennen zur Auswahl der griechischen Läufer für den Marathon statt. Der erste Lauf wurde am 10. März 1896 zwischen der geplanten olympischen Strecke zwischen Marathon und Athen  absolviert. G. Grigorou gewann diesen ersten Lauf. Er benötigte 3 Stunden und 45 Minuten, um die Distanz zu überwinden. Ihm, sowie den zweit- und drittschnellsten Läufern wurde die Ehre zuteil, Griechenland bei den Spielen zu repräsentieren.

Niemand war jedoch von der Zeit besonders beeindruckt. Griechische Offizielle führten daher einen zweiten Lauf lediglich wenige Tage vor dem offiziellen olympischen Wettbewerb durch. Ein Schafhirte namens Spiridon Louis überquerte als Fünfter die Ziellinie. Er sollte einige Tage später noch die Möglichkeit bekommen dieses Ergebnis zu verbessern.

Zwei Jahre nach Breals Idee wurde der Traum in die Realität umgesetzt. Am 10. April 1896 um 13.56 Uhr starteten 17 Teilnehmer in Marathon zum ersten offiziellen Marathonlauf in der Geschichte des Sports. Die griechischen Teilnehmer hatten in den ersten beiden Läufen nicht geglänzt. Da von den 17 Teilnehmern 13 Griechen waren, erwarteten die 100.000 Zuschauer einen Gewinner aus den Reihen ihrer Landsmänner.

Dieser letzte olympische Wettbewerb war die verbleibende Chance der griechischen Gastgeber eine Goldmedaille zu erobern. Die anderen Läufer waren alle durchweg erfahrene Mittelstreckenläufer. Unter ihnen waren drei Topläufer aus dem 1500 m Wettbewerb. Zu diesen gehörten Edwin Flack aus Australien, Arthur Blake aus den Vereinigten Staaten und Albin Lermusiaux aus Frankreich. Den letzten ausländischen Läufer stellte Ungarn mit Gyula Kellner.

Olympiade

Als die ersten olympischen Spiele in Athen im Jahre 1896 geplant wurden, kam die Idee auf, den legendären Lauf in Plutarchs Erzählung wieder aufleben zu lassen. Die Geschichte um die Schlacht bei Marathon mit dem heldenhaften Läufer Pheidippides und dem siegreichen Felherren Militades hatte insbesondere zurzeit des griechischen Unabhängigkeitskampf gegen die Türken im Jahre 1832 ungemein an Popularität gewonnen.

Ein Spezialist für griechische Mythologie schliesslich, der Franzose Michele Breal machte den Vorschlag den Lauf von Marathon nach Athen ins Programm der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit aufzunehmen. Baron Pierre de Coubertin, der als Vater der modernen olympischen Spiele gilt, soll die Idee begeistert aufgegriffen haben. Somit wurde entschieden, dass ein 40 km langer Lauf, genannt Marathon, den Höhepunkt der olympischen Spiele 1896 darstellen sollte.

Die Schlacht bei Marathon

Die griechische Legende erzählt von einer Schlacht 490 v. Chr. als das Heer von Athen auf einer Küstenebene bei Marathon ein zahlenmäßig überlegenes persisches Heer eine vernichtende Niederlage beibringt. Nach den geschichtlichen Fakten verdankten die Athener ihrer effizienteren Kriegsausrüstung den Sieg. Bis hierhin reichen die heute bekannten Daten.

Wir schreiben das Jahr 70 n.Chr. als der griechische Historiker Plutarch aufgrund dieser Faktenarmut des glorreichen Sieges der Athener über die Perser die geschichtlichen Fakten mit einer Anekdote ausschmückt. Diese waren zu jener Zeit nämlich nicht nur reine Historiker sondern auch Geschichtenerzähler. Da Plutarch selbst auch Läufer war und sich zu der Zeit gerade in der Vorbereitung für die antiken olympischen Spiele befand, mag es ihm aufgrund dieser Umstände in den Sinn gekommen sein die historischen Fakten mit einer Heldengeschichte eines Läufers etwas auszumalen.

Aufgrund der Verbreitung, welche diese Geschichte erfahren hat, sieht man, dass Plutarch ein durchaus talentierter Geschichtenerzähler war. Seine Geschichte erzählt sich in Kürze folgendermassen:

Der siegreiche Feldherr Miltiades schickte nach dem Kampf gegen die Perser einen Boten ins knapp 40 Kilometer entfernte Athen, um die Nachricht über den grossen Sieg möglichst schnell in der Stadt zu verkünden. Dabei war ein Mann namens Eucles laut Plutarch der eigentliche Läufer und nicht Pheidippides, wie allgemein angenommen wird.

Dass er heute als erster “Marathonläufer” in der Geschichte gilt, ist eine Abänderung der Legende durch fortlaufende mündliche und schriftliche Überlieferung. Ihn lediglich als Läufer einer Marathondistanz zu beschreiben ist eigentlich noch zu wenig. In der ursprünglichen Version der Geschichte soll Pheidippides bzw. Eucles wenige Tage vor der entscheidenden Schlacht mit einem Hilfegesuch Athens ins knapp 250 Kilometer entfernte Sparta gelaufen sein, um dort um Unterstützung für die Schlacht in Marathon gegen die Perser zu bitten.

Zurück in Athen sei er dann ins 40 km enfernte Marathon gelaufen. Als er jedoch dort ankam, sah er, dass die Schlacht gewonnen war. Jedoch hatten sich einige der besiegten Perser Richtung Athen aufgemacht, da sie annahmen, die schutzlose Stadt leicht einnehmen zu können. Somit blieb ihm keine Zeit, sich in Marathon auszuruhen, sondern er musste sich sofort wieder auf den Weg nach Athen machen, wo er die legendären 40 km lief.

Es stand ausser Frage, dass er vor den Persern in Athen ankommen musste, um die Bürger zu warnen und gleichzeitig den Sieg der Athener zu verkünden. In Athen angekommen, brach Pheidippides (bzw. Eucles) völlig ausser Atem zusammen und konnte nur noch hauchen: Nike, Nike! (Sieg, Sieg). Nach Überbringen der Nachricht verliessen ihn die Kräfte und er starb sofort an Ort und Stelle.