Der Lauf des Dorando Pietri
Ein Läufer namens Dorando Pietri ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Marathon heute über eine Distanz von 42.195 Kilometern ausgetragen wird. Zugetragen hat sich alles beim olympischen Marathonlauf 1908 in London. Aufgrund eines dramatischen Rennens ist die damals noch junge Disziplin in die Annalen der Sportgeschichte eingegangen:
Nur 355 Meter trennten Pietri noch vom Ziel, als er nach zwei Stunden und 45 Minuten ins Wembley Stadion einlief. Noch eine Runde hatte der Italiener zu laufen. Mit letzten Kräften hatte er sich ins Stadion gebracht. Das Ziel kurz vor Augen haltend, halfen ihm nicht weiter. Er brach zusammen und versuchte immer wieder sich aufzurappeln. Ganze 5 Mal stand er auf und sank zu Boden. Kurz vor der Ziellinie konnten zwei britische Helfer das Elend nicht mehr ansehen und stützten den völlig entkräfteten Pietri ins Ziel. Sage und schreibe 9:46 Minuten benötigte der Italiener für die letzte Runde. Diese unerlaubte Hilfeleistung führte schliesslich zu seiner Disqualifikation und verhalf dem 22-jährigen Amerikaner John Hayes zum Sieger, der als Zweiter die Ziellinie erreichte.
Das tragische Ende des Laufes hätte nicht dramtischer inszeniert werden können. Amerikanische Sportvermarkter, von dem Sportereignis inspiriert, veranstalteten in der Folgezeit einige Revancheläufe zwischen Hayes und Pietri. Um den Zweikampf bestmöglich zu inszenieren wählte man natürlich exakt die gleiche Streckenlänge haben. Die nachgestellten Olympiaduelle zwischen Pietri und Hayes lösten einen wahren “Marathon-Wahn” in den USA aus. Daher setzten sich die 42,195 Kilometer allmählich als die Marathondistanz durch, die schließlich vom Internationalen Leichtathletikverband 1921 offiziell fest geschrieben wurde.
Passende Artikel:






Kommentare
Schreib deine Meinung...